Tina Fiebinger (Göttinger Kulturjournalistin)
Staunen Sie ruhig erst mal, wenn Sie meinen, eine Farblandschaft auf der Leinwand zu sehen und nun feststellen, dass es sich dabei um eine Fotografie handelt. Stefan Müller vernimmt anmutige Pastellstimmungen durch seine Kamera, dabei auch eine die Treppe, die sich malerisch an einen eleganten Bogen schmiegt und immer wieder diese Farbströme, wie sie einen lichtblauen Raum durchdringen oder die Gestalt einer skulpturalen Fantasie annehmen.
Doch während der Blick des Betrachters der historischen Bergbahn durch das Nebelpanorama scheinbar ganz leicht folgen kann wird er von diesen seltsamen Formen, die da offenbar auf eine Wasserfläche treiben, sogar ein bisschen ausgebremst. Was passiert da gerade und vor allem wo?
Die Fragen von Ausstellungsbesuchern, sei es nach dem realen Bildschauplatz oder den Objekten, die er in seinen Motiven fokussiert, sind Stefan Müller vertraut. Sie haben natürlich mit der Vorstellung zu tun, dass ein Foto die Realität so wiedergibt, wie sie sich dann in einem Ausschnitt darstellt. Da sieht ein Seeufer oder die Flusslauf mit dem ungetrübten Untergrund ganz anders aus als hier. Die Vermutung liegt nahe, dass diese surrealen Formen auf dem Weg der Bildbearbeitung am Rechner entstanden.
Doch selbst damit kommt der Betrachter nicht weiter, der sich jetzt eine Aufnahme zu Recht deuten möchte, weil Müller sie wenn überhaupt nur in den Tonwerten bearbeitet. Mehr nicht.
„Nur sehen, reicht nicht“, hat er auf seiner Website notiert. Damit verbunden ist auch die Aufforderung, in seine Fotografien hineinzusehen, sich von dem scheinbar Vertraut, Fassbaren zu lösen und eigene Bilder zu imaginieren... spielt es denn eine Rolle, ob die Aufnahme unter einer Brücke entstand oder in einer Mittelgebirgslandschaft, wenn sich jetzt hauchzarte Farbschwingungen wie die Seiten eines Buches aufblättern, die leise flüstern? Oder wenn diese Lichtflecken und Tropfen irgendwo da draußen an ein Wasserballett denken lassen und wie grazil es sich über Kanten und Verkrustungen erhebt?

Das sind jetzt natürlich meine Bildfantasien. Sie assoziieren hoffentlich ganz andere und das ist auch im Sinne des Fotografen. Was immer dann auch das rissige Mauerwerk mit dieser ruhenden Gestalt in Ihnen an Gedanken auslöst. Es kann natürlich auch erneut auch diese Frage aufrufen, was sehe ich in dieser Fotografie und was alles nicht, weil sich weitere, vertiefende Gedankenbilde erst beim Verweilen einstellen und nicht unmittelbar .Oder weil dieser blaue Farbraum mit den weißen Markierungen erst dann ins Erzählen kommt, wenn es nicht mehr darum geht, wo sich das Motiv real befand und dort den Fotografen angesprochen hat...
Selbst in diesem martialischen Konstrukt, das sich dem Betrachter scheinbar so schön stabil und eindeutig entgegenstellt, ist noch eine Menge in Bewegung, das sich nicht auf den ersten Blick mitteilt. Vielleicht mündet es später auch für Sie in einen dieser magischen Augenblicke, in die Müller uns mit seinen Arbeiten blicken lässt...dieses Gefühl, von etwas angesprochen, bewegt oder fasziniert zu werden, ohne gleich nach einer Erklärung oder Bedeutung zu suchen.... einfach den Moment in der beschleunigten alltäglichen Bilderflut auf sich wirken zu lassen, mit dem jetzt etwas Besonderes passiert.

Tina Fibinger
Begin to be calmly amazed when you think you are looking at a colour landscape on canvas and then realise it's actually a photo. With his camera, Stefan Müller captures delicate pastel moods, including one of a staircase nestling picturesquely in an elegant arc, and again and again these streams of colour as they permeate a light blue space or adopt the form of a sculptural phantasy.
But while the view of the observer apparently can quite easily follow the historical mountain railway through the hazy panorama, it is yet slightly thwarted by these strange forms that seem to float on a stretch of water. What exactly is happening here and in particular where?
Stefan Müller is familiar with the questions from exhibition visitors, whether they are about the real setting of the image or the objects on which he focuses in his motifs. Naturally they are to do with the idea that a photo reproduces reality exactly as it is then portrayed in detail. There a riverbank or the course of a river with the sharp surface looks different from here ...
'Just seeing isn't enough,' he has noted on his website. Linked with this is also the challenge to look into his photos, to detach oneself from the seemingly familiar, the comprehensible, and to imagine one's own images ... Does it make a difference whether the photo originated under a bridge or in a low mountain landscape, if delicate colour oscillations flutter now like the pages of a book whispering softly? Or if these light spots and drops somewhere out there are reminiscent of a water ballet and how gracefully it rises above edges and incrustations?
Even in this martial construct that seems to confront the observer so beautifully starkly and resoundingly, there is still a lot of movement that is not communicated at a first glance. Perhaps for you too, it leads into one of these magic movements into which Müller has us look with his works ... this feeling of being impressed, moved or fascinated by something without immediately seeking an explanation or significance ... simply to take in the moment in the accelerated everyday flood of images with which something special is happening now.



Jörg Kasimir, Bremen
…Wo es murmelt, flüstert und rieselt, da ist der Ort, zu dem die Kamera des Fotografen Stefan Müller vordringt und eine in wundersamste Weise gepinselte, aquarellierte und skizzierte Welt sich im kleinst gezoomten Ausschnitt spiegelt. Unterhalb des Auflösungsvermögens unseres dürftigen und eingeschränkten Auges linst sie hinein...
Dieser Blick ist eine Sensation und soweit dem Augen überlegen, dass man unsere Gewohnheit an der beschränkten Sichtweise nur bedauernswert finden könnte. Die Kamera huscht in einen verborgenen Kosmos, den man als einen ebenso gültigen bezeichnen kann wie der von unseren Augen bevorzugte. Das, was sie in Augenschein nimmt, ist außerhalb unseres Sehapparates und wenn die Linse nah genug dran geht, dann verschwimmen die Dinge und die Strukturen kommen zum Vorschein. Die Kamera malt und könnten wir hören, was wir in diesem Ausschnitt sehen, dann hätte es den Charakter von kindlicher Lautmalerei, weniger Wort, mehr ein Signal...

Jörg Kasimir, Bremen
…Where it murmurs, whispers and ripples, that is the place to which the camera of the photographerStefan ︎︎Mueller reaches and mirrors a world that is painted, watercoloured and sketched in a most wonderful way in the tiniestoomed detail. It peeps below the resolution of our feeble and limited eye ...︎
This view is a sensation and so superior to the eye that one could find our tolerance of the restricted perspective only lamentable.he camera darts into a concealed cosmos that can be described as just as valid as the one preferred by our eyes.hat it looks closely at is beyond the capability of our human eye, and when the lens gets close enough, then things become blurred and the structures are revealed.he camera paints and if we could hear what we see in this detail, then it would have the character of childlike onomatopoeia, fewer words, more of a signal...





























Tina Fiebinger (Göttinger Kulturjournalistin)
Staunen Sie ruhig erst mal, wenn Sie meinen, eine Farblandschaft auf der Leinwand zu sehen und nun feststellen, dass es sich dabei um eine Fotografie handelt. Stefan Müller vernimmt anmutige Pastellstimmungen durch seine Kamera, dabei auch eine die Treppe, die sich malerisch an einen eleganten Bogen schmiegt und immer wieder diese Farbströme, wie sie einen lichtblauen Raum durchdringen oder die Gestalt einer skulpturalen Fantasie annehmen.
Doch während der Blick des Betrachters der historischen Bergbahn durch das Nebelpanorama scheinbar ganz leicht folgen kann wird er von diesen seltsamen Formen, die da offenbar auf eine Wasserfläche treiben, sogar ein bisschen ausgebremst. Was passiert da gerade und vor allem wo?
Die Fragen von Ausstellungsbesuchern, sei es nach dem realen Bildschauplatz oder den Objekten, die er in seinen Motiven fokussiert, sind Stefan Müller vertraut. Sie haben natürlich mit der Vorstellung zu tun, dass ein Foto die Realität so wiedergibt, wie sie sich dann in einem Ausschnitt darstellt. Da sieht ein Seeufer oder die Flusslauf mit dem ungetrübten Untergrund ganz anders aus als hier. Die Vermutung liegt nahe, dass diese surrealen Formen auf dem Weg der Bildbearbeitung am Rechner entstanden.
Doch selbst damit kommt der Betrachter nicht weiter, der sich jetzt eine Aufnahme zu Recht deuten möchte, weil Müller sie wenn überhaupt nur in den Tonwerten bearbeitet. Mehr nicht.
„Nur sehen, reicht nicht“, hat er auf seiner Website notiert. Damit verbunden ist auch die Aufforderung, in seine Fotografien hineinzusehen, sich von dem scheinbar Vertraut, Fassbaren zu lösen und eigene Bilder zu imaginieren... spielt es denn eine Rolle, ob die Aufnahme unter einer Brücke entstand oder in einer Mittelgebirgslandschaft, wenn sich jetzt hauchzarte Farbschwingungen wie die Seiten eines Buches aufblättern, die leise flüstern? Oder wenn diese Lichtflecken und Tropfen irgendwo da draußen an ein Wasserballett denken lassen und wie grazil es sich über Kanten und Verkrustungen erhebt?

Das sind jetzt natürlich meine Bildfantasien. Sie assoziieren hoffentlich ganz andere und das ist auch im Sinne des Fotografen. Was immer dann auch das rissige Mauerwerk mit dieser ruhenden Gestalt in Ihnen an Gedanken auslöst. Es kann natürlich auch erneut auch diese Frage aufrufen, was sehe ich in dieser Fotografie und was alles nicht, weil sich weitere, vertiefende Gedankenbilde erst beim Verweilen einstellen und nicht unmittelbar .Oder weil dieser blaue Farbraum mit den weißen Markierungen erst dann ins Erzählen kommt, wenn es nicht mehr darum geht, wo sich das Motiv real befand und dort den Fotografen angesprochen hat...
Selbst in diesem martialischen Konstrukt, das sich dem Betrachter scheinbar so schön stabil und eindeutig entgegenstellt, ist noch eine Menge in Bewegung, das sich nicht auf den ersten Blick mitteilt. Vielleicht mündet es später auch für Sie in einen dieser magischen Augenblicke, in die Müller uns mit seinen Arbeiten blicken lässt...dieses Gefühl, von etwas angesprochen, bewegt oder fasziniert zu werden, ohne gleich nach einer Erklärung oder Bedeutung zu suchen.... einfach den Moment in der beschleunigten alltäglichen Bilderflut auf sich wirken zu lassen, mit dem jetzt etwas Besonderes passiert.

Tina Fibinger
Begin to be calmly amazed when you think you are looking at a colour landscape on canvas and then realise it's actually a photo. With his camera, Stefan Müller captures delicate pastel moods, including one of a staircase nestling picturesquely in an elegant arc, and again and again these streams of colour as they permeate a light blue space or adopt the form of a sculptural phantasy.
But while the view of the observer apparently can quite easily follow the historical mountain railway through the hazy panorama, it is yet slightly thwarted by these strange forms that seem to float on a stretch of water. What exactly is happening here and in particular where?
Stefan Müller is familiar with the questions from exhibition visitors, whether they are about the real setting of the image or the objects on which he focuses in his motifs. Naturally they are to do with the idea that a photo reproduces reality exactly as it is then portrayed in detail. There a riverbank or the course of a river with the sharp surface looks different from here ...
'Just seeing isn't enough,' he has noted on his website. Linked with this is also the challenge to look into his photos, to detach oneself from the seemingly familiar, the comprehensible, and to imagine one's own images ... Does it make a difference whether the photo originated under a bridge or in a low mountain landscape, if delicate colour oscillations flutter now like the pages of a book whispering softly? Or if these light spots and drops somewhere out there are reminiscent of a water ballet and how gracefully it rises above edges and incrustations?
Even in this martial construct that seems to confront the observer so beautifully starkly and resoundingly, there is still a lot of movement that is not communicated at a first glance. Perhaps for you too, it leads into one of these magic movements into which Müller has us look with his works ... this feeling of being impressed, moved or fascinated by something without immediately seeking an explanation or significance ... simply to take in the moment in the accelerated everyday flood of images with which something special is happening now.


Jörg Kasimir, Bremen
…Wo es murmelt, flüstert und rieselt, da ist der Ort, zu dem die Kamera des Fotografen Stefan Müller vordringt und eine in wundersamste Weise gepinselte, aquarellierte und skizzierte Welt sich im kleinst gezoomten Ausschnitt spiegelt. Unterhalb des Auflösungsvermögens unseres dürftigen und eingeschränkten Auges linst sie hinein...
Dieser Blick ist eine Sensation und soweit dem Augen überlegen, dass man unsere Gewohnheit an der beschränkten Sichtweise nur bedauernswert finden könnte. Die Kamera huscht in einen verborgenen Kosmos, den man als einen ebenso gültigen bezeichnen kann wie der von unseren Augen bevorzugte. Das, was sie in Augenschein nimmt, ist außerhalb unseres Sehapparates und wenn die Linse nah genug dran geht, dann verschwimmen die Dinge und die Strukturen kommen zum Vorschein. Die Kamera malt und könnten wir hören, was wir in diesem Ausschnitt sehen, dann hätte es den Charakter von kindlicher Lautmalerei, weniger Wort, mehr ein Signal...

Jörg Kasimir, Bremen
…Where it murmurs, whispers and ripples, that is the place to which the camera of the photographerStefan ︎︎Mueller reaches and mirrors a world that is painted, watercoloured and sketched in a most wonderful way in the tiniestoomed detail. It peeps below the resolution of our feeble and limited eye ...︎
This view is a sensation and so superior to the eye that one could find our tolerance of the restricted perspective only lamentable.he camera darts into a concealed cosmos that can be described as just as valid as the one preferred by our eyes.hat it looks closely at is beyond the capability of our human eye, and when the lens gets close enough, then things become blurred and the structures are revealed.he camera paints and if we could hear what we see in this detail, then it would have the character of childlike onomatopoeia, fewer words, more of a signal...






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